Von Freunden und Menschen, die vorgeben, welche zu sein

••••••

Mittwoch, 20. September 2017

Manchmal ist es wirklich verletzend und enttäuschend, wenn man in bitterer Erkenntnis feststellen muss, dass manche Menschen, die man für Freunde (vielleicht sogar gute) gehalten hat, eigentlich gar keine sind. Und wenn mir in den letzten Tagen und Wochen etwas bewusst geworden ist, dann ist es die Tatsache, dass es bei mir bei viel zu vielen Menschen so war.

Ich hatte noch nie in meinem Leben viele Freunde. Weder als Kind, noch jetzt als erwachsene Person. Meine wahren Freunde konnte ich schon immer an maximal zwei Händen abzählen, während andere gefühlt Freunde gesammelt haben als würden sie den "wer hat die meisten Freunde"-Pokal gewinnen wollen. Aber bei mir war das nie so. Mir kommt es nicht darauf an, wie viele Freunde ich habe oder wie groß meine "Sammlung" ist. Mir kommt es darauf an, wer diese Menschen sind, die an meiner Seite stehen und inwiefern ich mich auf sie verlassen kann.
Freundschaft ist eine Beziehung zwischen Menschen, die auf gegenseitiger vertrauensvoller Zuneigung beruht.
Wenn man Freundschaft googelt, ist die Definition ganz klar. Freundschaft beruht auf gegenseitiger vertrauensvoller Zuneigung. Und eigentlich kann ich dem auch zustimmen. Aber ich glaube, bzw. ich habe gelernt, dass jeder Mensch Freundschaft anders definiert. Ich meine, die Freunde von anderen würden niemals meine sein. Nicht, weil ich diese Menschen nicht mag, oder weil ich nicht mit ihnen klarkommen würde, sondern weil ich sie an deren Stelle nicht so bezeichnen würde.
Während andere Menschen als Freunde bezeichnen, mit denen sie ein paar Worte gewechselt haben oder ein paar Mal die Nacht durchgemacht haben, mit denen sie ein paar Gläser Wein getrunken haben oder neben denen sie in Kursen der Schule oder Uni gesessen haben, ist es für mich weit mehr als das. Freundschaft ist für mich mehr als ein Haufen belangloser Smalltalks und etloser gemeinsamen Partynächte. Mehr als zusammen lachen und zusammen reden.

Vielleicht bin ich spießig oder bescheuert, aber ich kann und möchte auch nicht jeden Menschen als Freund bezeichnen, der in mein Leben tritt. Ich bezeichne jemanden erst dann als Freund, wenn ich es verdammt ernst meine. Wenn ich hinter dieser Person stehe, sie unterstützen möchte, für sie da sein möchte, mich um sie sorge und mich für sie einsetze.
Ich dachte immer, wahre Freunde sind für mich Menschen, mit denen ich wahnsinnig tiefgründige Gespräche führen kann. Mit denen ich meine Gedanken und Gefühle austauschen kann, auf einer tiefen Ebene. Aber das ist Irrsinn. Mittlerweile bin ich des Besseren belehrt und ich weiß, dass solche Gespräche theoretisch mit jedem Menschen stattfinden könnten - selbst mit Fremden. Man braucht nur die richtige Stimmung und einen Zufall, der das Eis brechen lässt (oder einfach ein paar Gläser Wein). Und einen Menschen, der gesprächig genug ist, um sich auf so ein intensives gefühlsduseliges Gespräch einzulassen.
Ihr glaubt mir nicht, wie unglaublich viele tiefgründige Gespräche ich mit Menschen geführt habe, die im Endeffekt rein gar nichts wert waren. Ich meine, ich dachte, dass sie von Bedeutung wären, aber im Nachhinein hat sich viel zu oft herausgestellt, dass ich die einzige bin, die in diesem Glauben schwebte. Ich rede unglaublich viel, wenn der Tag lang ist, das können alle Menschen bestätigen, die mich umgeben. Und je mehr ich rede und je mehr Gespräche ich führe, desto mehr wird mir bewusst, dass diese Eigenschaft, wie ein Wasserfall reden und philosophieren zu können, absolut nichts ist, woran man Freundschaft messen sollte.
Freundschaft ist für mich völlig unabhängig davon, wie weit man voneinander entfernt lebt und völlig unabhängig davon, wie oft man miteinander spricht.
Für mich sind Freunde Menschen, auf die ich zählen kann, ganz egal wie viel Uhr es ist, ganz egal worum es geht. In Zeiten, in denen es mal nicht so rosig ist, merke ich extrem, wer mir zur Seite steht und wer nicht.

Man sagt ja, dass man ohne Erwartungen an Menschen heran gehen sollte. Dass man, wenn man keine Erwartungen hat, auch nicht enttäuscht werden könnte. Und vielleicht stimmt das auch. Aber - ich bin ganz ehrlich - ich habe Erwartungen, wenn ich jemanden als Freund bezeichne. Auch wenn sie in meinen Augen nicht sonderlich hoch und irgendwie das Normalste der Welt sind. Ich erwarte nicht, dass man ständig im Kontakt miteinander ist, dass man sich ständig bei mir meldet und dass man immer Zeit für mich hat. Ich erwarte nicht, dass man meine Probleme über seine eigenen stellt und immer für mich bereit steht, wenn ich reden möchte. Ich erwarte nicht, dass man mir Geschenke macht oder was auch immer.
Aber ich erwarte, dass man sich ab und zu mal meldet. Dass man sich mal fragt, wie es der anderen Person gerade wohl geht, was sie macht, ob alles in Ordnung ist. Dass man sich sorgt. Und dass es einem nicht egal ist, wenn man bemerkt, dass es der anderen Person nicht gut geht. Dass man zusammen lachen und unglaublich viel Spaß haben kann, aber auch ernste Gespräche führen kann und es akzeptiert, wenn man mal keine gute Laune hat und es einem schlecht geht. Dass man nicht sofort flüchtet, wenn es mal kühl ist und keine Sonne über der Freundschaft steht. Dass man sich gegenseitig unterstützt und hilft, wenn es drauf ankommt. Dass man nicht verurteilt, wenn ein Fehler gemacht wird. Das ist für mich Freundschaft.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]

<< Startseite